Mein Ansatz
Zur Arbeit an Ihrem Stil,
zu den Korrekturen Ihrer GeschichtenDie Arbeit am Schreibstil, an Wort und Satz, ist tragend für erzählende oder dichtende Literatur. Wie sehr die Form den Inhalt und den Wert der Dichtung ausmacht, sagt der Dichter Stefan George selber sehr dicht:
Den Wert der Dichtung entscheidet nicht der Sinn, sondern die Form, d.h. durchaus nichts Äußerliches. Strengstes Maß ist zugleich höchste Freiheit.Ich möchte Sie zu Ihrem eigenen Schreibstil anleiten und hinführen. Man kann und soll es schon nach ein paar Zeilen sehen: So schreiben Sie und nur Sie. Aber literarisch schreiben lernen ist ein Abenteuer. Die Arbeit an eigenen Texten ist immer auch Arbeit an sich selbst, an Ausdrucksweisen, die Denkgewohnheiten tragen. Zum Beispiel ‚kreide‘ ich Ihnen an, das heißt unterstrichele ich feststehende Alltagsfloskeln und Allgemeinplätze, die uns allen zuerst einfallen und die wir alle ständig wiederholen. Sie ermüden den Leser, weil er sie ‚aus dem FF kennt‘ und stoßen ihn auch ab, wenn sie zudem, wie häufig, eine abfällige Komponente haben, wie zum Beispiel ‚du gehst aber auch ran wie Blücher, des Menschen Wille ist sein Himmelreich, wer's glaubt, wird selig‘.
Meine Methode ist aber nicht nur kritisch, sondern auch ermutigend. Ich betone sehr stark gute Ansätze und sprechende Ausdrucksweisen. Am Rand Ihrer Arbeiten stehen dann Ausrufe, wie: Gut! Schön lebendig! Sehr dicht! Schön prägnant! Oder auch mal: Toll! Förderung und Unterstützung ist wichtig. Dann erträgt der Schreibschüler auch, wenn es zum Beispiel heißt: Klarer! Mehr ausmalen! Anschaulicher! Nicht so nominal, das wirkt so abstrakt! Besser Verbalstil! Nicht ausufern! Nicht überziehen! Keine Sprachfloskeln, sondern ganz persönlich, ganz eigen die Dinge sagen!
Für die Verdichtung Ihrer Arbeiten sorge ich durch Streichungsvorschläge. Schon Gesagtes oder leicht zu Erschließendes klammere ich Ihnen ein, wenn ich es als nicht nötig oder überfrachtend empfinde. Das Erzählen soll ja nicht langweilig und monoton werden. Immer soll etwas Neues und auch etwas Überraschendes kommen, was bisher so noch nicht gedacht, so noch nicht gesagt worden ist. Ich fordere Sie immer wieder auf, Ihre Situationen und Figuren ganz konkret und genau zu schildern – um dann aber auch wieder Dinge offen und schweben lassen zu können, um sogenannte produktive Leerstellen zu schaffen. Sie muss und kann der Leser ausfüllen, je nach ganz persönlicher Erfahrung, Lebensart und Temperament.
Aus vielseitiger und sehr langer Lebens- und fachlicher Erfahrung mit Erzähltexten ist mir alles mögliche Menschliche nicht fremd. Ich weiß es zu schätzen, dass Sie mir Ihre Arbeiten anvertrauen, sichere Ihnen Diskretion und Engagement zu und bin auch für Einsprüche offen. Mir liegt daran, Ihre Arbeit an der Sprache, die Arbeit an sich selbst ist, zu fördern. Sie sollen sich am Schluss mit Ihren Geschichten identifizieren und sagen können: Das bin ich, und so muss und will ich schreiben, das finde ich gut und lesenswert